23.11.2009
WirtschaftsWoche: "Heilender Hitzeschock"

"Skeptisch und gespannt zugleich beobachten Norbert Waldöfner und Kerstin Stief das Reaktionsgefäß aus Glas, das im Abzug hinter einer Sicherheitsscheibe über der Flamme eines Bunsenbrenners befestigt ist. In dem gut kindskopfgroßen Dreihalskolben blubbern 100 Milliliter einer klebrig-rostbraunen Flüssigkeit. Fast wie bei einem Vulkanausbruch – nur kleiner – zerplatzt eine zähe Blase nach der anderen. Auf 360 Grad Celsius bringt es das Gebräu aus Eisenoxid. "Das ist schon ein bisschen heikel", erklärt Chemikerin Stief mit gebührendem Abstand zur kochenden Metall-Brühe: "Da kann schon mal ein Glaskolben zu Bruch gehen." Doch Teamleiter Waldöfner weiß: Nur so lassen sich magnetische Nanoteilchen mit ganz neuen Eigenschaften kreieren. Sie sind die neuen Hoffnungsträger von Krebstherapeuten in aller Welt.

Die beiden gehören zum gut 30-köpfigen Berliner Medizintechnikunternehmen MagForce Nanotechnologies, das 1997 gegründet wurde und seit 2007 an der Börse gelistet ist. Das Team um den Gründer und Forschungschef Andreas Jordan hat mithilfe der Nanopartikel eine Methode gefunden, um Wärme gezielt in den Körper und dort in tödliche Krebsgeschwüre zu lenken. So können Tumorzellen – und nur diese – auf bis zu 70 Grad erhitzt werden, sodass sie absterben.

Das ist ein völlig neuer Ansatz, den todbringenden Zellen die Stirn zu bieten."