"Die größten Chancen werden der Nanomedizin derzeit in den Bereichen Onkologie und Gentherapie zugeschrieben. Denn die Nanotechnologie kann helfen, die hochpotenten Wirkstoffe gezielt an den Ort des Geschehens zu bringen, die Aufnahme ins Zielgewebe zu verbessern und damit die Spezifität der Therapie zu erhöhen. Der Wirkstoff erreicht den Wirkort in höherer Konzentration und kann dort länger verbleiben, so Dr. Andreas Jordan, Gründer und Vorstand für Forschung und Entwicklung der Magforce Nanotechnologies AG, Berlin. 'Schädigungen im umgebenden Gewebe bzw. Nebenwirkungen wie beispielsweise durch eine konventionelle Chemotherapie können so minimiert werden.' Möglich ist dies, weil Nanopartikel bei kleinem Volumen eine sehr große Oberfläche besitzen, die – mit einer hohen Zahl von Wirkstoffmolekülen versehen – medizinisch wirksam werden kann. Damit eignen sie sich als Werkzeuge der Nanomedizin.
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Ein viel beachtetes, von Jordan und Ärzten der Charité entwickeltes Nanotechnologie-basiertes Medizinprodukt für die Hyperthermie bzw. Thermoablation lokaler Tumore soll nach 22 Jahren Entwicklungszeit Mitte 2010 zugelassen werden: In der sogenannten 'Nano-Krebs®-Therapie' werden etwa 20 Nanometer große Eisenoxidpartikel direkt ins Tumorgewebe injiziert. 'Sobald ein elektromagnetisches Wechselfeld angelegt wird, kommt es zur Kopplung von Partikel und Feld und damit zur Wärmeerzeugung direkt im Tumor. Sehr fokal können dort Temperaturen von 42–70 °C erreicht werden, ohne dass die Energie umliegendes Gewebe zerstört. Dies geht mit extrem wenigen Nebenwirkungen einher,' so Jordan, einer der Pioniere der Nanomedizin. 'Da die Energieaufnahme der Magnetpartikel eine physikalische Konstante ist, lässt sich der Wärmeeffekt viel genauer vorausberechnen als bei herkömmlichen Thermotherapieverfahren. Wie viele Milliliter der Eisenoxid-Partikel-Lösung an welcher Stelle injiziert werden müssen, um den gewünschten Effekt zu erzielen, lässt sich mit einem dazugehörigen 3-D-Planungssystem genau berechnen.'
Prinzipiell ist dieser Ansatz bei allen lokalen Tumoren anwendbar. Das konnten Jordan et al. in diversen Phase I-Studien an bisher rund 150 Rezidiv-Patienten u.a mit Glioblastomen, Prostata- (in Kombination mit einer Brachytherapie), Zervix-, Leberzell-, Ösophagus- und Pankreaskarzinomen (in Kombination mit der üblichen Chemotherapie) sowie Sarkomen zeigen. Die aktuelle Phase II-Studie zum Glioblastom-Rezidiv soll noch in diesem Jahr den Wirksamkeitsnachweis erbringen. Primäres Studienziel ist, das Überleben der Patienten nach Auftreten des Rezidivs im Vergleich zur konventionellen Radiochemotherapie signifikant zu verlängern."
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