Medizintechnik.
- Verschiedene Studien haben belegt, das Nanoteilchen unter bestimmten
Umständen gefährlich sein können. Die winzigen Partikel deshalb
komplett zu verteufeln, wäre aber voreilig. Bei der Diagnose und
Therapie von Krankheiten zum Beispiel können sie durchaus hilfreich
sein. Der Wissenschaftsjournalist Volkart Wildermuth berichtet
im Gespräch mit Ralf Krauter.
[...]
Krauter:
Das klingt wirklich visionär. Deutlich konkreter war da ein Projekt an
der Berliner Charité, über das wir vor neun Jahren erstmals berichtet
haben in dieser Sendung. Da ging es um winzige Eisenpartikel, die
Gehirntumore in den Hitzetod treiben sollten. Was ist denn da der
aktuelle Stand?
Wildermuth:
Dieses Projekt ist auf dem Weg vom Labor in die Klinik tatsächlich
deutlich weitergekommen. Es geht um winzige Eisenoxidpartikel, die mit
einer körperverträglichen Beschichtung versehen sind. Chirurgen können
sie durch ein Loch in der Schädeldecke direkt in den Hirntumor
spritzen. Dann wird von außen ein schnelles, wechselndes Magnetfeld
angelegt. Diese Partikel fangen an zu schwingen, entwickeln Wärme, und
das soll die Krebszellen zerstören. Das war damals eine Sache, die noch
im Tierversuchsstadium ist, heute ist man da deutlich weiter. Es gab
eine erste Sicherheitsstudie an 14 Patienten, die verlief positiv. Eine
der damals behandelten Patientinnen lebt noch, bei diesem speziellen
Hirntumor ist das sehr außergewöhnlich. Aber das sagt noch nichts über
die Wirksamkeit aus, so ein glücklicher Zufall kann mal passieren.
Deshalb läuft derzeit eine zweite, eine Wirksamkeitsstudie. Die wird im
Herbst abgeschlossen sein. Die sieht im Moment recht gut aus. Es gibt
parallel noch Untersuchungen beim Prostatakarzinom und anderen
Tumorarten. Die Menschen von dieser Firma, "MagForce" heißt sie, die
das von der Charité übernommen hat, die sind optimistisch, dass
tatsächlich im nächsten Jahr diese Therapie zugelassen wird. Dabei muss
man über eine Sache sich im Klaren sein: Es handelt sich bei diesen
Nanopartikeln um Medizinprodukte, nicht um Medikamente. Man muss nicht
so ausgefeilte Studien präsentieren, um eine Zulassung zu bekommen.
Aber wie gesagt, es wird wohl demnächst tatsächlich solche Therapien
geben.
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