04.03.2009
Deutschlandfunk: "Nanotechnik in der Medizin"

Medizintechnik. - Verschiedene Studien haben belegt, das Nanoteilchen unter bestimmten Umständen gefährlich sein können. Die winzigen Partikel deshalb komplett zu verteufeln, wäre aber voreilig. Bei der Diagnose und Therapie von Krankheiten zum Beispiel können sie durchaus hilfreich sein. Der Wissenschaftsjournalist Volkart Wildermuth berichtet im Gespräch mit Ralf Krauter.

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Krauter: Das klingt wirklich visionär. Deutlich konkreter war da ein Projekt an der Berliner Charité, über das wir vor neun Jahren erstmals berichtet haben in dieser Sendung. Da ging es um winzige Eisenpartikel, die Gehirntumore in den Hitzetod treiben sollten. Was ist denn da der aktuelle Stand?

Wildermuth: Dieses Projekt ist auf dem Weg vom Labor in die Klinik tatsächlich deutlich weitergekommen. Es geht um winzige Eisenoxidpartikel, die mit einer körperverträglichen Beschichtung versehen sind. Chirurgen können sie durch ein Loch in der Schädeldecke direkt in den Hirntumor spritzen. Dann wird von außen ein schnelles, wechselndes Magnetfeld angelegt. Diese Partikel fangen an zu schwingen, entwickeln Wärme, und das soll die Krebszellen zerstören. Das war damals eine Sache, die noch im Tierversuchsstadium ist, heute ist man da deutlich weiter. Es gab eine erste Sicherheitsstudie an 14 Patienten, die verlief positiv. Eine der damals behandelten Patientinnen lebt noch, bei diesem speziellen Hirntumor ist das sehr außergewöhnlich. Aber das sagt noch nichts über die Wirksamkeit aus, so ein glücklicher Zufall kann mal passieren. Deshalb läuft derzeit eine zweite, eine Wirksamkeitsstudie. Die wird im Herbst abgeschlossen sein. Die sieht im Moment recht gut aus. Es gibt parallel noch Untersuchungen beim Prostatakarzinom und anderen Tumorarten. Die Menschen von dieser Firma, "MagForce" heißt sie, die das von der Charité übernommen hat, die sind optimistisch, dass tatsächlich im nächsten Jahr diese Therapie zugelassen wird. Dabei muss man über eine Sache sich im Klaren sein: Es handelt sich bei diesen Nanopartikeln um Medizinprodukte, nicht um Medikamente. Man muss nicht so ausgefeilte Studien präsentieren, um eine Zulassung zu bekommen. Aber wie gesagt, es wird wohl demnächst tatsächlich solche Therapien geben.